Horrorszenario internationaler Blackout – Wenn überall der Strom ausfällt

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Es ist ein erschreckendes Szenario, welches der Autor Marc Elsberg in seinem Thriller-Bestseller „Blackout“ aufwirft: An einem kalten Frühjahrsabend bricht das europäische Energieversorgungsnetz zusammen.

Nur wichtige Gebäude, wie Krankenhäuser oder Atomkraftwerke, die mithilfe eines Verbrennungsmotors über Dieselaggregate Strom erzeugen, bleiben in Betrieb. Doch die Uhr tickt. Die Logistik bricht zusammen, Lebensmittelmärkte schließen. Als nach kurzer Zeit dann auch der Diesel für Notstromaggregate knapp wird, beginnt der Kampf ums Überleben. Anarchie bricht aus. Europäische Kernkraftwerke laufen bedrohlich auf die Havarie zu.

Doch was ist dran, an diesem fiktiven Roman, der sich mit einem massiven Hackerangriff auf das internationale Energieversorgungsnetz befasst? Der Ansatz ist geschickt gewählt: In Italien verschaffen sich Unbekannte Zugriff auf schlaue Stromzähler in Privathaushalten, die sogenannten Smart-Meter. Diese Art von Stromzählern wird über das Internet angesteuert. Dadurch, dass alle Netzanschlüsse in einem Land zeitgleich abgeschaltet werden, entsteht ein Stromüberschuss, der riesige Schwankungen im Stromnetz zufolge hat, sodass das Energieversorgungsnetz zusammenbricht. „Blackout ist Fiktion“, sagt Elsberg selbst. Trotzdem ist seine Idee nicht ganz unrealistisch. Laut dem Umweltbundesamt betrug der Energiebedarf deutscher Privathaushalte im Jahr 2013 rund 28 Prozent des Endenergieverbrauchs. Zu bestimmten Tageszeiten kann die momentane Leistungsaufnahme durch Privathaushalte durchaus höher liegen. Wenn die Nachfrage nach Strom also ganz spontan abfällt, ist ein Zusammenbruch des Energieversorgungsnetzes nicht auszuschließen. Fällt der Strom in einem bestimmten Gebiet aus, kann das Netz im entsprechenden Versorgungsgebiet aber nach und nach wieder aufgebaut werden. Das kennen wir bereits von kleineren Stromausfällen. Trotzdem gibt es einen besorgniserregenden Nebenaspekt: Bereits vor sechs Jahren warnte der amerikanische IT-Experte Joshua Pennell vor Sicherheitsmängeln bei Smart Metern. Und auch der Bundestag kam 2015 zu einer ähnlichen Einschätzung.

Ob man deshalb gleich in Panik verfallen sollte, ist fraglich. Die IT- und Netz-Sicherheit ist ein großes und wichtiges Thema bei Energieversorgern. IT-Spezialisten arbeiten längst daran, das Netz besser zu schützen. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, kam daher 2012 zu der Ansicht, dass „die Witterung ein viel realistischeres Problem als Kriminelle oder Terroristen“ sei – insbesondere im Hinblick auf Versorgungsengpässe durch die Energiewende. Einen europäischen Blackout hält er insgesamt für sehr unwahrscheinlich. Und sollte es doch zu einer derartigen Katastrophe kommen, ist die Versorgung wichtigster Organe für einige Zeit gewährleistet – in besonders kritischen Fällen, beispielsweise in Krankenhäusern, sogar unterbrechungsfrei – dank moderner USV-Technologie.

Quellen:
http://www.zeit.de/digital/internet/2010-04/smartgrid-strom-hacker
http://www.zeit.de/2012/50/Stromversorgung-Winter-Blackout-Marc-Elsberg-Jochen-Homann
http://www.zeit.de/2010/40/Stuxnet-Computerwurm
http://politik-digital.de/news/smart-meter-einfallstor-hacker-147655/
http://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/energieverbrauch-der-privaten-haushalte

One thought on “Horrorszenario internationaler Blackout – Wenn überall der Strom ausfällt

  1. Im kleinen Stil kann man das heute schon erleben. Ich selbst war schon dabei, als in München Ortsteile keinen Strom hatten, und ich z.B. nicht aus meinem Hotel auschecken konnte. Oder knapp außerhalb von München war über mehrere Stunden der Strom weg, und Kunden in einem Supermarkt konnten nicht zahlen. Das passiert öfter als man denkt.

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